Verdienen selbstständige Physiotherapeut:innen mehr als angestellte?
Für angestellte Physiotherapeut:innen gibt es einen klaren Median: ca. 3.250 € Brutto-Vollzeit pro Monat (Quelle: BA Entgeltatlas, KldB 81713, Stand 2026-06-01). Für Selbstständige existiert keine vergleichbare offizielle Statistik. Die reale Spannweite ist enorm: Sie reicht von kleinen Solo-Praxen, die nach allen Kosten kaum über das Niveau einer angestellten Position kommen, bis zu Top-Praxen mit mehreren Mitarbeitenden, hohem Privatpatientenanteil und etabliertem Standort, die für die Inhaber:in deutlich fünfstellige Monatsgewinne erzielen können. Was den Verdienst konkret bestimmt: Standortqualität, Praxisgröße, Anzahl angestellter Therapeut:innen, Privatpatienten-Anteil, Spezialisierungen und tatsächliche Auslastung. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.
Wie viel Umsatz macht eine Physiotherapie-Praxis pro Monat?
Belastbare branchenweite Umsatzzahlen sind nicht öffentlich verfügbar. Was wir konkret wissen, sind die GKV-Vergütungssätze pro Behandlung (Stand 2024/2025, gerundet, regional und kassenseitig variabel): Krankengymnastik einzeln (15–20 min) ca. 27 €, Manuelle Therapie (20–30 min) ca. 33 €, Manuelle Lymphdrainage 30 min ca. 35 €, MLD 45 min ca. 51 €, MLD 60 min ca. 62 €, Krankengymnastik ZNS / Bobath / PNF ca. 45–52 €, Hausbesuchszuschlag ca. 8–10 €. Privatpatient:innen werden nach GOÄ/GebüH abgerechnet, typisch 30–70 € pro Sitzung. Bitte für konkrete Werte die aktuelle GKV-Preisliste prüfen. Der tatsächliche Umsatz einer Praxis ergibt sich aus diesen Sätzen multipliziert mit der individuellen Behandlungsfrequenz, dem Therapeut:innen-Stamm und dem Privatpatienten-Anteil. Quellen: GKV-Spitzenverband, Heilmittelvergütungsverträge.
Was kostet die Gründung einer eigenen Physiotherapie-Praxis?
Erfahrungswerte aus Gründungs- und Bankenberatungen für Heilberufe (keine amtliche Statistik): Eine Praxisgründung kostet typischerweise 30.000 bis 80.000 €, abhängig von Standort, Größe und ob Räume gekauft, gemietet oder ein Bestand übernommen wird. Die größten Posten: Praxiseinrichtung (Behandlungsliegen, Geräte: 15.000–35.000 €), Umbau und Renovierung (5.000–20.000 €), Marketing und Schilder (2.000–5.000 €), Anlaufkosten für die ersten Monate (5.000–15.000 €). Eine Praxisübernahme kann zusätzlich 50.000–150.000 € für den Goodwill kosten. KfW-Förderkredite (z. B. ERP-Gründerkredit) stehen Heilberufen offen.
Welche Versicherungen brauche ich als selbstständige:r Physiotherapeut:in?
Pflicht: Berufshaftpflichtversicherung (jährlich 150–400 €), Krankenversicherung (PKV oder freiwillig GKV, monatlich 600–900 €), Versorgungswerk oder Deutsche Rentenversicherung (Selbstständige in Heilberufen sind pflichtversichert, monatlich 300–600 €). Stark empfohlen: Betriebshaftpflicht für die Praxis, Inhaltsversicherung, Rechtsschutz, Berufsunfähigkeit. Optional: Praxisausfallversicherung, Cyber-Versicherung. Gesamtkosten Versicherungen liegen typischerweise bei 1.500–2.500 €/Monat.
Welche Heilmittelpositionen zahlen die Krankenkassen?
Die GKV vergütet Physiotherapie-Leistungen nach festen Positionen. Typische Sätze Stand 2024/2025 (Bundesschnitt, gerundet, je nach Krankenkasse und Region leicht variabel): Krankengymnastik einzeln (15–20 min) ca. 27 €, Manuelle Therapie (20–30 min) ca. 33 €, Manuelle Lymphdrainage 30 min ca. 35 €, Manuelle Lymphdrainage 45 min ca. 51 €, Manuelle Lymphdrainage 60 min ca. 62 €, Krankengymnastik ZNS / Bobath / PNF (30–45 min) ca. 45–52 €, Hausbesuch (Zuschlag) ca. 8–10 €. Privatpatient:innen werden nach GOÄ/GebüH abgerechnet, typisch 30–70 € pro Sitzung. Konkrete tagesaktuelle Werte bitte in der aktuellen Heilmittel-Preisliste des GKV-Spitzenverbands prüfen.
Wann lohnt sich der Schritt in die Selbstständigkeit finanziell?
Eine pauschale Schwelle gibt es nicht: Die Antwort hängt stark von Standort, Konzept und Praxisgröße ab. Was sich beobachten lässt: Eine Solo-Praxis ohne Mitarbeitende erzielt finanziell oft ein vergleichbares Netto wie eine angestellte Position, der Mehrwert liegt dann in Selbstbestimmung, Steuergestaltung und langfristigem Aufbau von Praxiswert (Verkaufserlös bei späterer Übergabe). Erst Praxen mit mehreren angestellten Therapeut:innen, gutem Standort und nennenswertem Privatpatienten-Anteil heben sich finanziell deutlich von der Angestellten-Position ab. Für eine konkrete Einschätzung ist eine individuelle Standort- und Konzept-Analyse nötig, kein „typischer Wert" macht Ihnen die Rechnung.
Wie hoch sind die monatlichen Praxiskosten?
Belastbare Bandbreiten je nach Praxisgröße und Standort: Miete (500 € im ländlichen Raum bis 2.500+ € in Innenstadtlagen Stuttgart/München/Hamburg/Berlin), Versicherungen (private Krankenversicherung 600–900 €, Versorgungswerk 300–600 €, Berufshaftpflicht 15–35 €, Inhaltsversicherung 30–80 €), Material und Verbrauch (200–400 €), Software und IT (50–150 €), Buchhaltung und Steuerberatung (200–500 €). Pro angestellter Vollzeit-Therapeut:in kommen rund 3.500–4.500 €/Monat Personalkosten dazu (Brutto-Gehalt plus ~25 % Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung). Konkrete Werte schwanken erheblich je nach Praxis-Konzept.
Welche Spezialisierungen erhöhen den Marktwert in beiden Modellen?
Manuelle Therapie (MT) wird in 24,1 % der ausgewerteten BA-Stellenanzeigen für angestellte Physiotherapeut:innen verlangt; ohne MT bleiben damit drei Viertel der Stellen mit dieser Anforderung unzugänglich (Quelle: eigene Auswertung von 5.365 Anzeigen, Stand 2026-05-01, methodisch nicht repräsentativ, aber guter Praxisindikator). Für Selbstständige bringt MT-Qualifikation zusätzliche GKV-Abrechnungspositionen (ca. 33 € statt 27 € für Standard-Krankengymnastik, Stand 2024). Weitere wichtige Zusatzqualifikationen: Manuelle Lymphdrainage (34,6 % der Anzeigen), Bobath / KG-ZNS (10,9 %), PNF (5,7 %).