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Angestellt oder selbstständig: wo verdienen Physiotherapeut:innen mehr?

Datenstand 2026-06-01 · Quellen: BA Entgeltatlas + GKV-Heilmittelvergütung

Auf einen Blick

Angestellt vs. selbstständig — zwei sehr unterschiedliche Verdienst-Welten in der Physiotherapie:

  • Angestellt (Brutto-Vollzeit-Median): 3.248 €/Monat (BA Entgeltatlas, Spezialist KldB 81713)
  • Selbstständig: keine vergleichbare offizielle Statistik — reale Spannweite ist enorm
  • Solo-Praxis: nach allen Kosten oft kaum über dem Niveau einer angestellten Position
  • Top-Praxis: mit Mitarbeitenden, hohem Privatpatientenanteil und etabliertem Standort können deutlich fünfstellige Monatsgewinne erzielt werden

Welche Faktoren den Verdienst tatsächlich bestimmen, findest du in der ausführlichen Aufstellung weiter unten.

Was wir zu Verdienst-Höhe konkret wissen

Für die angestellte Seite gibt es offizielle BA-Daten. Für die selbstständige Seite gibt es keine vergleichbare Statistik. Wir nennen daher keine pauschalen Mittelwerte.

Angestellt (BA-Median)

3.248

Brutto pro Monat, Vollzeit, Spezialist

Top-25 % verdienen ab 3.839

  • + AG-Anteil Sozialversicherung (~25 %)
  • + Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
  • + 24–30 Tage Urlaub
  • + Keine Investitionskosten
  • − Begrenzter Verdienst-Hebel ohne Wechsel oder Spezialisierung

Quelle: BA Entgeltatlas, KldB 81713, Stand 2026-06-01.

Selbstständig

Stark abhängig von Praxis-Modell

Keine belastbare offizielle Vergleichs-Statistik verfügbar.

  • + Eigenes Geschäftsmodell, Skalierung möglich
  • + Privatpatient:innen mit höheren Sätzen
  • + Praxiswert als Asset (Verkauf, Übergabe)
  • + Steuergestaltungs-Spielraum
  • − 30–80 k € Gründungsinvestition (Neugründung)
  • − Praxisrisiko und Verwaltungsaufwand
  • − Soziales Netz selbst zu finanzieren

Was wir konkret wissen: GKV-Heilmittelsätze (öffentlich, siehe unten) und qualitative Faktoren, die den Verdienst bestimmen.

Was den selbstständigen Verdienst tatsächlich bestimmt

Statt einer einzigen Zahl: die sechs Hebel, die in der Praxis den Unterschied zwischen „ähnlich wie angestellt" und „mehrfach höher" machen.

1. Anzahl der angestellten Therapeut:innen

Eine Solo-Praxis ist limitiert durch die eigenen Behandlungsstunden. Pro angestellter Vollzeit-Therapeut:in bleibt nach Personalkosten typischerweise ein zusätzlicher Deckungsbeitrag, der entscheidende Skalierungs-Hebel der Selbstständigkeit liegt im Aufbau eines Teams.

2. Privatpatienten-Anteil

GKV-Sätze sind bundesweit fix (ca. 22–35 €/Behandlung). Privatpatient:innen werden nach GOÄ/GebüH abgerechnet, typisch 30–70 € pro Sitzung. Praxen mit 20–40 % Privatpatienten-Anteil erzielen pro Behandlungsstunde deutlich höhere Erträge. Dieser Anteil hängt stark vom Standort und Konzept ab.

3. Standort

Miete in Innenstadtlagen (München, Hamburg, Stuttgart, Berlin) ist Vielfaches der Miete im ländlichen Raum. Gleichzeitig korrelieren urbane Lagen mit höherem Einkommen der Bevölkerung und damit höherem Privatpatienten-Potenzial. Auch die Praxisdichte vor Ort entscheidet über Patienten-Wartelisten und Verhandlungsmacht.

4. Spezialisierungen und Heilmittel-Positionen

Mit Zusatzqualifikationen (Manuelle Therapie, Bobath, MLD, KG-ZNS) können höherwertige GKV-Positionen abgerechnet werden. Auch Sportphysio, Osteopathie und CMD-Therapie erlauben Privatleistungen mit deutlich höheren Sätzen. Der Skill-Mix der Praxis ist ein direkter Verdienst-Hebel.

5. Auslastung

Eine zu 95 % ausgelastete Praxis erzielt einen mehrfachen Gewinn einer zu 60 % ausgelasteten Praxis bei gleichen Fixkosten, der Hebel ist nicht-linear. Auslastung wiederum hängt von Standort, Marketing, Patientenbindung und der lokalen Praxisdichte ab.

6. Geschäftsmodell und Konzept

Hausbesuchs-Praxis, Multi-Standort-Modell, Spezialklinik für eine Indikation, Sportler-Betreuung mit Vereinen, Reha-Kooperationen: Das Konzept bestimmt Patientenstruktur, Abrechnungsmix und Personalkonzept. Eine etablierte Spezialpraxis kommt auf andere Margen als eine klassische Stadtteil-Praxis.

Diese Faktoren sind nicht additiv, sondern multiplikativ: zwei gute Faktoren plus ein schlechter (z. B. starker Standort plus Skill-Mix plus niedrige Auslastung) ergeben ein anderes Bild als drei gleich-mittelmäßige Faktoren. Eine seriöse Verdienst-Schätzung braucht eine individuelle Analyse aller sechs Hebel.

Was die Krankenkassen pro Behandlung zahlen

GKV-Bundesschnitt Stand 2024/2025 nach Heilmittelvergütung, gerundet. Werte sind je nach Krankenkasse und Region leicht variabel. Konkrete tagesaktuelle Werte bitte in der aktuellen Heilmittel-Preisliste des GKV-Spitzenverbands prüfen.

BehandlungDauerGKV-Satz
Krankengymnastik einzeln15–20 minca. 27 €
Manuelle Therapie20–30 minca. 33 €
Manuelle Lymphdrainage30 minca. 35 €
Manuelle Lymphdrainage45 minca. 51 €
Manuelle Lymphdrainage60 minca. 62 €
KG-ZNS / Bobath / PNF30–45 min45–52 €
Hausbesuchszuschlag8–10 €
Privatpatient:innen (GOÄ)pro Sitzung30–70 €

Quelle: GKV-Spitzenverband, Heilmittelvergütungsverträge (Bundesschiedssprüche 2024/2025).

Was unterscheidet die beiden Wege jenseits des Gehalts?

FaktorAngestelltSelbstständig
Einkommens-SicherheitHoch (Arbeitsvertrag, Kündigungsschutz)Niedrig (abhängig von Praxisbetrieb)
Urlaub24–30 Tage gesetzlich/tariflichSelbst zu finanzieren (kein Einkommen während Abwesenheit)
KrankheitLohnfortzahlung 6 WochenKein Einkommen (Krankentagegeld optional)
SozialversicherungAG zahlt 50 %100 % selbst (KV ~700–900 €/Monat)
SteuernLohnsteuer (vom AG abgeführt)ESt + GewSt (Vorauszahlungen, Steuerberatung)
GründungsinvestitionKeine30.000–80.000 € (Neugründung), bis 200.000 € (Übernahme)
Wochenarbeitszeit38–40 h vertraglichTypisch 50–60 h (inkl. Verwaltung, Buchhaltung)
Entscheidungs-SpielraumEingeschränkt (Behandlungsplan, Patientenstamm vorgegeben)Komplette Freiheit (Spezialisierung, Patientenwahl, Konzept)
Verkaufswert / AssetKeinerPraxis als verkaufbares Asset (10–80 k € bei Übergabe)
Skalierungs-HebelNiedrig (Lohnerhöhung, Spezialisierung)Hoch (Mitarbeitende einstellen, Filialen, Privatpatienten)

Häufige Fragen zum Vergleich

Verdienen selbstständige Physiotherapeut:innen mehr als angestellte?

Für angestellte Physiotherapeut:innen gibt es einen klaren Median: ca. 3.250 € Brutto-Vollzeit pro Monat (Quelle: BA Entgeltatlas, KldB 81713, Stand 2026-06-01). Für Selbstständige existiert keine vergleichbare offizielle Statistik. Die reale Spannweite ist enorm: Sie reicht von kleinen Solo-Praxen, die nach allen Kosten kaum über das Niveau einer angestellten Position kommen, bis zu Top-Praxen mit mehreren Mitarbeitenden, hohem Privatpatientenanteil und etabliertem Standort, die für die Inhaber:in deutlich fünfstellige Monatsgewinne erzielen können. Was den Verdienst konkret bestimmt: Standortqualität, Praxisgröße, Anzahl angestellter Therapeut:innen, Privatpatienten-Anteil, Spezialisierungen und tatsächliche Auslastung. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Wie viel Umsatz macht eine Physiotherapie-Praxis pro Monat?

Belastbare branchenweite Umsatzzahlen sind nicht öffentlich verfügbar. Was wir konkret wissen, sind die GKV-Vergütungssätze pro Behandlung (Stand 2024/2025, gerundet, regional und kassenseitig variabel): Krankengymnastik einzeln (15–20 min) ca. 27 €, Manuelle Therapie (20–30 min) ca. 33 €, Manuelle Lymphdrainage 30 min ca. 35 €, MLD 45 min ca. 51 €, MLD 60 min ca. 62 €, Krankengymnastik ZNS / Bobath / PNF ca. 45–52 €, Hausbesuchszuschlag ca. 8–10 €. Privatpatient:innen werden nach GOÄ/GebüH abgerechnet, typisch 30–70 € pro Sitzung. Bitte für konkrete Werte die aktuelle GKV-Preisliste prüfen. Der tatsächliche Umsatz einer Praxis ergibt sich aus diesen Sätzen multipliziert mit der individuellen Behandlungsfrequenz, dem Therapeut:innen-Stamm und dem Privatpatienten-Anteil. Quellen: GKV-Spitzenverband, Heilmittelvergütungsverträge.

Was kostet die Gründung einer eigenen Physiotherapie-Praxis?

Erfahrungswerte aus Gründungs- und Bankenberatungen für Heilberufe (keine amtliche Statistik): Eine Praxisgründung kostet typischerweise 30.000 bis 80.000 €, abhängig von Standort, Größe und ob Räume gekauft, gemietet oder ein Bestand übernommen wird. Die größten Posten: Praxiseinrichtung (Behandlungsliegen, Geräte: 15.000–35.000 €), Umbau und Renovierung (5.000–20.000 €), Marketing und Schilder (2.000–5.000 €), Anlaufkosten für die ersten Monate (5.000–15.000 €). Eine Praxisübernahme kann zusätzlich 50.000–150.000 € für den Goodwill kosten. KfW-Förderkredite (z. B. ERP-Gründerkredit) stehen Heilberufen offen.

Welche Versicherungen brauche ich als selbstständige:r Physiotherapeut:in?

Pflicht: Berufshaftpflichtversicherung (jährlich 150–400 €), Krankenversicherung (PKV oder freiwillig GKV, monatlich 600–900 €), Versorgungswerk oder Deutsche Rentenversicherung (Selbstständige in Heilberufen sind pflichtversichert, monatlich 300–600 €). Stark empfohlen: Betriebshaftpflicht für die Praxis, Inhaltsversicherung, Rechtsschutz, Berufsunfähigkeit. Optional: Praxisausfallversicherung, Cyber-Versicherung. Gesamtkosten Versicherungen liegen typischerweise bei 1.500–2.500 €/Monat.

Welche Heilmittelpositionen zahlen die Krankenkassen?

Die GKV vergütet Physiotherapie-Leistungen nach festen Positionen. Typische Sätze Stand 2024/2025 (Bundesschnitt, gerundet, je nach Krankenkasse und Region leicht variabel): Krankengymnastik einzeln (15–20 min) ca. 27 €, Manuelle Therapie (20–30 min) ca. 33 €, Manuelle Lymphdrainage 30 min ca. 35 €, Manuelle Lymphdrainage 45 min ca. 51 €, Manuelle Lymphdrainage 60 min ca. 62 €, Krankengymnastik ZNS / Bobath / PNF (30–45 min) ca. 45–52 €, Hausbesuch (Zuschlag) ca. 8–10 €. Privatpatient:innen werden nach GOÄ/GebüH abgerechnet, typisch 30–70 € pro Sitzung. Konkrete tagesaktuelle Werte bitte in der aktuellen Heilmittel-Preisliste des GKV-Spitzenverbands prüfen.

Wann lohnt sich der Schritt in die Selbstständigkeit finanziell?

Eine pauschale Schwelle gibt es nicht: Die Antwort hängt stark von Standort, Konzept und Praxisgröße ab. Was sich beobachten lässt: Eine Solo-Praxis ohne Mitarbeitende erzielt finanziell oft ein vergleichbares Netto wie eine angestellte Position, der Mehrwert liegt dann in Selbstbestimmung, Steuergestaltung und langfristigem Aufbau von Praxiswert (Verkaufserlös bei späterer Übergabe). Erst Praxen mit mehreren angestellten Therapeut:innen, gutem Standort und nennenswertem Privatpatienten-Anteil heben sich finanziell deutlich von der Angestellten-Position ab. Für eine konkrete Einschätzung ist eine individuelle Standort- und Konzept-Analyse nötig, kein „typischer Wert" macht Ihnen die Rechnung.

Wie hoch sind die monatlichen Praxiskosten?

Belastbare Bandbreiten je nach Praxisgröße und Standort: Miete (500 € im ländlichen Raum bis 2.500+ € in Innenstadtlagen Stuttgart/München/Hamburg/Berlin), Versicherungen (private Krankenversicherung 600–900 €, Versorgungswerk 300–600 €, Berufshaftpflicht 15–35 €, Inhaltsversicherung 30–80 €), Material und Verbrauch (200–400 €), Software und IT (50–150 €), Buchhaltung und Steuerberatung (200–500 €). Pro angestellter Vollzeit-Therapeut:in kommen rund 3.500–4.500 €/Monat Personalkosten dazu (Brutto-Gehalt plus ~25 % Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung). Konkrete Werte schwanken erheblich je nach Praxis-Konzept.

Welche Spezialisierungen erhöhen den Marktwert in beiden Modellen?

Manuelle Therapie (MT) wird in 24,1 % der ausgewerteten BA-Stellenanzeigen für angestellte Physiotherapeut:innen verlangt; ohne MT bleiben damit drei Viertel der Stellen mit dieser Anforderung unzugänglich (Quelle: eigene Auswertung von 5.365 Anzeigen, Stand 2026-05-01, methodisch nicht repräsentativ, aber guter Praxisindikator). Für Selbstständige bringt MT-Qualifikation zusätzliche GKV-Abrechnungspositionen (ca. 33 € statt 27 € für Standard-Krankengymnastik, Stand 2024). Weitere wichtige Zusatzqualifikationen: Manuelle Lymphdrainage (34,6 % der Anzeigen), Bobath / KG-ZNS (10,9 %), PNF (5,7 %).

Weiterführende Auswertungen

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Datenquellen und Methodik

  • Angestellten-Median: BA Entgeltatlas, KldB 81713, Anforderungsniveau 3 (Spezialist), Stand 2026-06-01.
  • GKV-Heilmittelpreise: GKV-Spitzenverband, Heilmittelvergütung, aktuelle Bundes-Schiedssprüche. Werte sind regional und kassenseitig leicht variabel.
  • Skill-Anforderungen: Eigene Auswertung von 5.365 BA-Stellenanzeigen, Stichprobe Stand 2026-05-01.
  • Selbstständigen-Verdienst: Es gibt keine vergleichbare offizielle Statistik. Die Einkommenssteuerstatistik des Statistischen Bundesamts aggregiert über alle Heilberufe und liefert keine KldB-spezifische Aufschlüsselung. Wir nennen daher bewusst keine pauschalen Mittelwerte, sondern beschreiben die sechs Faktoren, die den tatsächlichen Verdienst bestimmen, und nennen die GKV-Sätze pro Behandlung als belastbare Datenpunkte.

Aktualisierung: quartalsweise. Bei Rückfragen zur Methodik: info@rangruppe.de.

Herausgeber: RAN Experts GmbH, Reinsburgstr. 4, 70178 Stuttgart. Trotz sorgfältiger Aufbereitung übernehmen wir keine Gewähr. Die Selbstständigen-Modellrechnung ist keine Beratung und ersetzt keine individuelle steuerliche oder betriebswirtschaftliche Beratung.